Stör-Polder Wewelsfleth
Verantwortlich für die Planung, Ausführung und Erfolgskontrolle:
Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe-Nordsee, Moorweidenstr. 14, 20148 Hamburg
Grundeigentümer:
Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, Eschenbrook 4, 24113 Molfsee
Lage:
Landkreis Steinburg, Gemeinde Wewelsfleth
Größe Maßnahmengebiet:
49,6441 ha (lt. LBP/E = 49,68 ha)
Anrechenbarer Kompensations- und Kohärenzumfang
Kompensation: 27,79 ha
Kohärenz: 8,89 ha
Umgesetzte Kompensation- und Kohärenzsicherungsmaßnahmen
- Rückbau der Grüppenentwässerung
- Anlage von Blänken
- Bau und Betrieb von Überstauungspoldern
- Extensivierung der Grünlandnutzung
- Gehölzreduzierung
Beschreibung der Maßnahme
Entwicklungsziele
Erfolgskontrolle
Weiterführende Informationen
Abbildung 1: Blick Richtung Süd über die Polderflächen Wewelsfleth (2021) Quelle: WSA Elbe-Nordsee
Beschreibung der Maßnahme
In Wewelsfleth entstanden auf 50 Hektar insgesamt sehr vielfältige, nach Wasserstand und Zeitdauer der Vernässungen und Flutungen unterschiedliche Biotope, die wiederum einem sehr breiten Spektrum von Pflanzen und Lebewesen als Standort dienen. Durch ihre Gestaltung werden sich die Flächen insbesondere Wiesenvögeln als Brutgebiet und Zugvögeln als Raststätte anbieten. Es wurde die Grüppenentwässerung rückgebaut, Blänken angelegt, Überstaupolder errichtet, Gehölze reduziert und eine Extensivierung der Grünlandnutzung eingeführt.
Abbildung 2: Übersicht über die umgesetzten Maßnahmen (2020) Quelle: WSA Elbe-Nordsee
Im Nordosten, Westen und am Störufer wurden die Wiesen vernässt und teilweise mit dauerhaften Flachwasserbereichen versehen. Dies geschah durch den Rückbau des bisherigen Entwässerungssystems in diesen Gebieten, durch Aufweitung bestehender Gräben sowie durch die Anlage von Blänken.
Im Südosten und im Zentrum entstanden Staupolder, die während des Winterhalbjahres mit Wasser aus der Stör befüllt und flächendeckend angestaut werden. Hier wurden die bereits bestehenden Randverwallungen genutzt und bei Bedarf ergänzt. Das eingelassene Wasser verteilt sich langsam über die ebenfalls bereits vorhandenen Grüppen und Gräben. Die Regulierung und das Entleeren der Polderflächen besorgen Auslassbauwerke. Um die Wasserströme mit dem größtmöglichen ökologischen Nutzen steuern zu können, war der Bau einiger technischer Einrichtungen erforderlich. Dazu gehören drei Windpumpen, denn da der Tidenhub zum Einfließen des Störwassers allein nicht ausreicht, muss es auf das höchste Niveau des Polders gehoben werden, um dann weiterfließen zu können.
Zur Verringerung des Prädatorendrucks wurden außerdem die vorhandenen Gehölzstrukturen sukzessive gerodet und die Landschaft dauerhaft von Gehölzen freigehalten.
Abbildung 3: Montage einer Windpumpe auf der Teilfläche West während der Baumaßnahm (2019) Quelle: WSA Elbe-Nordsee
Entwicklungsziele
Mittelfristiges Ziel ist die Entwicklung optimaler Habitatbedingungen für Brut- und Gastvögel der Elbmarschen. Dies beinhaltet eine Verbesserung des Bruterfolges der Wiesenlimikolen durch niedrige Vegetation im Winter und zur Beginn der Brutzeit, aufgeweichte Vegetationsdecke und Böden für gute Stochermöglichkeiten sowie ausreichend Nahrung. Spezielles Ziel für die nordischen Gastvögel sind verbesserte Äsungs- und Rastmöglichkeiten durch flächige Überstauungen zwischen Oktober und März. Weitere Ziele für Brut- und Gastvögel sind die Verringerung des Bestandes an Prädatoren und die Verringerung der anthropogenen Störungen.
Im Detail wurde für das Gebiet Störpolder Wewelsfleth folgende Ziele festgelegt[1]:
- Entwicklung von feuchtem Grünland, Verbesserung der Habitatfunktion für die Avifauna,
- Verbesserung des Bruterfolges für Wiesenlimikolen mit folgenden Kriterien: niedrige Vegetation im Winter / zum Beginn der Brutzeit, insbesondere für die Leitarten: Brachvogel, Bekassine, Uferschnepfe, Rotschenkel und Kiebitz
- Schaffung brutplatznaher Gewässer mit flachen Ufern,
- Förderung eines ausreichenden Nahrungsangebotes,
- Reduzierung des Vorkommens von Prädatoren,
- Vermeidung von anthropogenen Störungen und
- Verbesserung der Lebensraumstrukturen für Gastvögel mit folgenden Kriterien: flächige Überstauung zwischen Oktober und März, insbesondere für die Leitarten: Sing- und Zwergschwan, Grau- und Nonnengans, Kampfläufer und Goldregenpfeifer
Die Ziele dienen sowohl der Kompensation als auch der Verbesserung des Erhaltungszustands und der Kohärenz des Lebensraumtyps 1130.
Abbildung 4: Aufgeweitete und vertiefte Gräben Blickrichtung Nord (2019) Quelle: WSA Elbe-Nordsee
Erfolgskontrolle
Als Kontroll- und Steuerungselement zur Sicherung der oben genannten Erhaltungs- und Entwicklungsziele, werden Daten vom Ist-Zustand vor der Maßnahmenumsetzung sowie Daten aus Kartierungen nach der Umsetzung der Maßnahme herangezogen.
Folgende Indikatoren dienen dabei neben dem Nachweis des Erfolgs der Maßnahmen auch der Sicherung der Kohärenz des Lebensraumtyps 1130 (Ästuarien):
- Positiver Trend in der Anzahl der Revierpaare (Brutvogelbestand) von typischen Arten des FFH-Lebensraumtyps 1130 „Ästuarien“ und der Leitarten für den Landschaftstyp „Küstennahe See- und Flussmarschen“, wie Kiebitz, Rotschenkel, Uferschnepfe und Austernfischer
- Verbesserung der Lebensraumstrukturen für Gast- und Rastvögel
- Ausdehnung und Zustand der Zielbiotoptypen „mesophiles Grünland“, „artenreiches Feuchtgrünland“ und „artenreicher Flutrasen“
Jährlich für die Dauer von 25 Jahren wird auf den Flächen eine punktgenaue Revierkartierung aller anwesenden Brutvogelkarten durchgeführt. Bei entsprechenden Ansiedlungen der ausgewählten Wiesenlimikolen werden Bruterfolgskontrollen durchgeführt. In den Jahren 2, 3, 4 und 5 nach Umsetzung der Maßnahmen erfolgt dafür im Zeitraum von Anfang Mai bis etwa Mitte Juli (die Zeiträume richten sich nach Brutansiedlungen) 1x pro Woche die Begehung bzw. Sichtung der Fläche während der gesamten Kükenführungszeit. Auf Grundlage der Ergebnisse wird dann nach dem fünften Jahr nach Umsetzung der Maßnahmen entschieden, ob in den Folgejahren weitere Bruterfolgskontrollen nötig sein werden.
Als Indikator für die Überprüfung der Lebensraumstrukturen für Gastvögel müssen als Kriterien auch bauliche Maßnahmen, Vernässung und Bewirtschaftung im Rahmen der dynamischen Funktionskontrolle regelmäßig überprüft werden. Eine quantitative Erfassung der Rastvogelzahlen alleine ist als Indikator ungeeignet, da mit einem positiven Trend der Rastvogelzahlen, auch bei korrekter Umsetzung aller Maßnahmen, nicht zwingend zu rechnen ist. Rastbestände der Gastvogelarten unterliegen größtenteils sehr großen jährlichen Schwankungen, u. a. in Abhängigkeit von der Witterung. Um dennoch einen Eindruck bezüglich der Wirksamkeit der Maßnahmen zu erhalten, wird eine Erfassung der Gast- und Rastvögel jährlich bis inkl. Jahr 10 nach Umsetzung zwischen Januar und April durchgeführt.
Abbildung 5: Blänke auf der zentralen Polderfläche (2019) Quelle: WSA Elbe-Nordsee
In den Jahren 1, 3, 5, 7 und 10 nach Umsetzung der baulichen Maßnahmen werden jeweils in einer Begehung im Frühjahr und im Spätsommer Vegetationsaufnahmen auf eingemessenen Probeflächen durchgeführt.
Flächen außerhalb der Staupolder sollen sich unter der extensiven Grünlandnutzung zu einem mesophilen Grünland entwickeln. In den Staupoldern des Maßnahmengebietes Wewelsfleth hingegen ist die Entwicklung von feuchtem Grünland ein Beleg für den Erfolg der Maßnahmen. Die Definition erfolgt durch den Nachweis wertbestimmender Arten, wie Rot-Schwingel (Festuca rubra) oder Wiesen-Kammgras (Cynosurus cristatus).
Auf den vernässten Flächen können durch die extensive Nutzung kleinräumig artenarme Seggenriedinitiale, Flatterbinsenfluren oder Röhrichtgesellschaften entstehen. Das Mosaik aus artenreichem Feuchtgrünland, Flutrasen und mesophilem Grünland zusammen mit den genannten Biotoptypen ist damit ein Indikator für den Erfolg der Kompensations- und Kohärenzmaßnahmen.
Für die Erfassung und Bilanzierung der Biotoptypen und der wertbestimmenden Vegetationsarten, werden in den Jahren 1, 5, und 10 nach Umsetzung der baulichen Maßnahmen flächendeckende Kartierungen durchgeführt, bei denen auch die Vernässung und die Wirksamkeit des Einstaus dokumentiert wird. Der Einstau wird außerdem jährlich in der Stausaison von November bis Februar zweimal monatlich von vor Ort installierten Lattenpegeln abgelesen und über Fotos dokumentiert.
Abbildung 6: Übersicht über die Polderflächen West und Zentrum mit Windpumpen (2021) Quelle: WSA Elbe-Nordsee
Nach sechs Jahren wird ein Zwischenbericht und nach dem zehnten Jahr ein Endbericht erstellt, in dem alle bis dahin erhobenen Daten berücksichtigt werden. Die im Rahmen dieser Berichte durchzuführenden Analysen sollen v. a. den Erfolg der Kompensations- und Kohärenzmaßnahmen bewerten, auf ggf. vorhandene Defizite hinweisen und entsprechende Empfehlungen geben. Die Berichte werden der Planfeststellungsbehörde, den zuständigen Naturschutzbehörden und der Stiftung Naturschutz sowie der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Beweissicherung/ Unterarbeitsgruppe Erfolgskontrolle zur Verfügung gestellt.
Das weitere Vorgehen sowie Anpassungen an den Maßnahmen wird in Abstimmung mit den zuständigen Naturschutzbehörden in der Unterarbeitsgruppe (UAG) Erfolgskontrolle konkretisiert.
Weiterführende Informationen
Zum Flyer.
Zu den Videos.
Zu den Berichten über die Ergebnisse aus der Erfolgskontrolle.
Die im Rahmen der Erfolgskontrolle erhobenen GIS-Daten können über das Portal Tideelbe abgerufen werden.
Quelle:
[1] LBP/E (IBL 2010a), in der Ergänzungsstudie der FFH-Verträglichkeitsprüfung (IBL 2010b) bzw. in den LAP (Planungsgruppe Grün 2105a-d, 2016a, b)
