Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt

Stör-Polder Kellinghusen

Verantwortlich für die Planung, Ausführung und Erfolgskontrolle:
Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe-Nordsee, Moorweidenstr. 14, 20148 Hamburg

Grundeigentümer:
Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, Eschenbrook 4, 24113 Molfsee

Lage:
Landkreis Steinburg, Stadt Kellinghusen

Größe Maßnahmengebiet:
18,6720 ha (2011) (lt. LBP/E = 19,38 ha)

Anrechenbarer Kompensations- und Kohärenzumfang
Kompensation:           25,92 ha
Kohärenz:                      7,51 ha

Umgesetzte Kompensation- und Kohärenzsicherungsmaßnahmen

  • Erhöhung der Tidedynamik durch Öffnung des Sommerdeiches
  • Herstellung von Prielen
  • Freie Sukzession
  • Extensivierung der Grünlandnutzung

Beschreibung der Maßnahme
Entwicklungsziele
Erfolgskontrolle
Weiterführende Informationen

Das Bild zeigt einen Blick in Richtung Nord-Ost über den Polder Kellinghusen (2022) Blick Richtung Nord-Ost über den Polder Kellinghusen Abbildung 1: Blick Richtung Nord-Ost über den Polder Kellinghusen (2022) Quelle: WSA Elbe-Nordsee

Beschreibung der Maßnahme

Im Maßnahmengebiet Kellinghusen zielen die Maßnahmen darauf ab, durch Öffnungen des Sommerdeiches mehr Landflächen dem Tideeinfluss zur Verfügung zu stellen. So können sich naturnahe Priele und Wattflächen sowie Röhrichte und Gebiete mit schilfartigen Pflanzen in den Uferbereichen entwickeln. Die Maßnahmen stärken die Tide typische Flora und Fauna eines Flussmündungsgebietes. Weiterhin entstand oberhalb der Linie des mittleren Tidehochwassers artenreiches Grünland als nahrungsreiche Brut- und Rastgebiete für Vögel.

Die Polderfläche an der Stör ist z.T. durch einen Sommerdeich und den Mitteldeich eingefasst. Sie hat eine Größe von ca. 17 ha. Der Sommerdeich wurde an zwei Abschnitten von 45 bzw. 75 m Länge rückgebaut, an drei weiteren Stellen erhielt er punktuelle Öffnungen an Endpunkten vorhandener Entwässerungsgräben. An einer Stelle wurde ein Wall zur Eingrenzung des Hochwassereinflusses erstellt.

Im Rahmen der Umsetzung wurde die vorhandene Vegetation gemäht, der Oberboden abgeschoben. Die Fläche wurde in ihrem Höhen- und Tiefenprofil neu gestaltet und der Sommerdeich mit Öffnungen zur Stör versehen. Es entstanden dabei, unter Berücksichtigung der topographischen Möglichkeiten des Geländes und der Erfordernisse des Hochwasserschutzes für die benachbarten Nutzungen, neue Wasser- und Landflächen, Priele und Grabensysteme. In Abhängigkeit vom  Baufortschritt wurde der abgeschobene Oberboden wieder auf die Landflächen aufgebracht und erhielt eine Aussaat mit gebietstypischem regionalem Saatgut.

Das Bild zeigt eine Übersicht über die umgesetzten Maßnahmen (2020) Übersicht über die umgesetzten Maßnahmen (2020) Abbildung 2: Übersicht über die umgesetzten Maßnahmen (2020) Quelle: WSA Elbe-Nordsee

Entwicklungsziele

Für das Gebiet Störpolder Kellinghusen wurden folgende Ziele bzw. Maßnahmen festgelegt[1]:

  • Verbesserung des Tideeinflusses
  • Entwicklung von naturnahen Prielen, Wattflächen, Röhrichten, Riedern und ufernahen Gehölzen (freie Sukzession)
  • Entwicklung artenreicher Grünländer (Extensivierung)
  • Reduzierung der Nähr- und Schadstoffeinträgen in die Stör
  • Reduzierung extremer Hochwasserspitzen
  • Erhaltung des Überschwemmungsvolumens
  • Erhaltung der Deichsicherheit
  • Schutz der Bundesstraßenbrücke (Vermeidung großflächiger Gehölze)
  • Rückbau und punktuelle Öffnungen des Sommerdeichs
  • Neubau von Verwallungen und Geländeaufhöhung am Mitteldeich

    Die Ziele dienen sowohl der Kompensation als auch der Verbesserung des Erhaltungszustands und der Kohärenz des Lebensraumtyps 1130.

    Das Bild zeigt die Baumaßnahmen zu den beiden Öffnungen des Sommerdeiches (2020) Baumaßnahmen zu den beiden Öffnungen des Sommerdeiches (2020) Abbildung 3: Baumaßnahmen zu den beiden Öffnungen des Sommerdeiches (2020) Quelle: WSA Elbe-Nordsee

    Erfolgskontrolle

    Als Kontroll- und Steuerungselement zur Sicherung der oben genannten Erhaltungs- und Entwicklungsziele, werden Daten vom Ist-Zustand vor der Maßnahmenumsetzung sowie Daten aus Kartierungen nach der Umsetzung der Maßnahme herangezogen.

    Folgende Indikatoren dienen dabei neben dem Nachweis des Erfolgs der Maßnahmen auch der Sicherung der Kohärenz des Lebensraumtyps 1130 (Ästuarien):

    • Zunahme ästuartypischer Biotoptypen z. B. Tide-Auwälder und -gebüsche, Brackwasserröhrichte, Priele und Watten, Flutrasen, Seggenriede, Hochstaudenfluren, Tidetümpel und temporäre Kleingewässer
    • Entwicklung einer naturnahen Vegetationszonierung im Land-Wasser Übergangsbereich

    Für die Erfassung und Bilanzierung tidebeeinflusster Biotoptypen an und unterhalb der MThw-Linie, werden in den Jahren 1, 5, und 10 nach Umsetzung der baulichen Maßnahmen flächendeckende Biotoptypenkartierungen durchgeführt, zu denen jeweils eine Begehung im Frühjahr und im Spätsommer erfolgt und bei denen auch die Verlandungstendenzen und Ufererosion kartographisch dokumentiert wird.

    Das Bild zeigt die neue Verwallung und den rückgebauten Sommerdeich (2022) Neue Verwallung und rückgebauter Sommerdeich (2022) Abbildung 4: Neue Verwallung und rückgebauter Sommerdeich (2022) Quelle: WSA Elbe-Nordsee

    Nach sechs Jahren wird ein Zwischenbericht und nach dem zehnten Jahr ein Endbericht erstellt, in dem alle bis dahin erhobenen Daten berücksichtigt werden. Die im Rahmen dieser Berichte durchzuführenden Analysen sollen v. a. den Erfolg der Kompensations- und Kohärenzmaßnahmen bewerten, auf ggf. vorhandene Defizite hinweisen und entsprechende Empfehlungen geben. Die Berichte werden der Planfeststellungsbehörde, den zuständigen Naturschutzbehörden und der Stiftung Naturschutz sowie der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Beweissicherung/ Unterarbeitsgruppe Erfolgskontrolle zur Verfügung gestellt.

    Das weitere Vorgehen sowie Anpassungen an den Maßnahmen wird in Abstimmung mit den zuständigen Naturschutzbehörden in der Unterarbeitsgruppe (UAG) Erfolgskontrolle konkretisiert.

    Weiterführende Informationen

    Zum Flyer.

    Zu den Videos.

    Zu den Berichten über die Ergebnisse aus der Erfolgskontrolle.

    Die im Rahmen der Erfolgskontrolle erhobenen GIS-Daten können über das Portal Tideelbe abgerufen werden.

    Quelle:

    [1] LBP/E (IBL 2010a), in der Ergänzungsstudie der FFH-Verträglichkeitsprüfung (IBL 2010b) bzw. in den LAP (Planungsgruppe Grün 2105a-d, 2016a, b)